Bilder zum Gottesdienst vom 13. November 2016

Bilder: Beat Vögeli


 Ausgabe vom 10. November 2016

Text: Melanie Kollbrunner

Bilder: Marc Dahinden und Heinz Diener


Ein frischer Wind weht durch den Martin.

Am Sonntag wird die Kirche St. Martin nach aufwendiger Sanierung eingeweiht. Das Begegnungszentrum mit Foyer und Saal wurden für 2,7 Millionen Franken umgebaut.

Das Begegnungszentrum mit Foyer und Saal wurden für 2,7 Millionen Franken umgebaut.

Die eigentliche Kirche wurde im Originalzustand belassen, nur die Beleuchtung wurde erneuert.


«So, hier das Facelifting an unserem Martin», sagt Paul Ammann, Präsident der katholischen Kirchgemeinde Rickenbach-Seuzach und präsentiert das aufgefrischte Begegnungszentrum mit ausladender Handbewegung. Zuletzt habe sich die Kirchengemeinde hier zum traditionellen Ostertütschen diesen Frühling getroffen, dann sei es losgegangen mit den Bauarbeiten.

 

Es werde Licht

Der Blick des Betrachters fällt durch Glastüren hindurch in einen freundlich-hellen Saal, grosszügig und offen, trotz mehrerer abgetrennter Räumlichkeiten: «Das Fresh-Up war dringend nötig», sagt Architekt Werner Fritschi vom Büro HFR Architekten in Hettlingen, Bauvorstand der katholischen Kirchengemeinde Rickenbach-Seuzach.

Die Besucher haben sich vor der Sanierung an der Düsterkeit gestört, die dem Raum eigen war: Wo heute Glas ist, war früher massives Holz, zudem frischt ein neues Lichtkonzept die Räume auf. Es wurde die gesamte Technik erneuert: Beamer und Leinwand stehen nun zur Verfügung, ein kleines Beleuchtungssystem soll der Bühne im Saal die richtige Stimmung verleihen und eine Nutzung durch Externe anregen. Sanitäranlagen wurden ersetzt. Toiletten und Zugänge betagten- und behindertenfreundlicher gestaltet.

 

W-Lan statt «Sträfzgi»

Bei der Beheizung wurde auf ökologische Standards geachtet: Anstelle der Ölheizung und der undichten Fenster gibt es nun eine Bodenheizung und dreifachverglaste Fensterfronten. Auch steht nun eine moderne Küche mit Gastronomiestandard zur Verfügung. «Modern und nicht zur Freude des Pfarrers ist auch unser W-lan, das wir jetzt haben», sagt Fritschi, es werde von jungen Menschen einfach erwartet.

«Wir wollen den Unti für unseren Nachwuchs ja attraktiv gestalten und nicht zur mittwöchlichen Sträfzgi verkommen lassen», sagt Ammann. Nötig war auch die Schalldämpfung: Die Räumlichkeiten hatten ein akustisches Problem, «der Hall war unangenehm», sagt Ammann. Nun sind an der Decke dezente, schalldichtende Elemente in die kleinen Quadrätchen eingefügt, die sogenannte «Betonkassettendecke» nämlich ist geblieben. Sie war zusammen mit der Beton-Bausubstanz wesentlich für den Charakter des Baus, der als Kandidat für das Inventar der kantonalen Denkmalpflege in Frage komme: Die eigentliche Kirche im Obergeschoss hat Fritschi im Originalzustand belassen, nur die Beleuchtung wurde erneuert.

Unbearbeitete Betonwände, Taufstein und Altar ebenfalls aus Beton, eine Decke aus Tannenholz, die den Begegnungsbereich im Untergeschoss zum eigentlichen Gegensatz macht.

 

Keine Sanierung seit 1972

Typisch für die Zeit ist laut Fritschi der Bau von solchen Zentren in der Region, sie sind auf Eigeninitiative der Katholiken entstanden, die weite Wege in die Gottesdienste anzutreten hatten. Diese würden zwar nicht jedermanns Geschmack treffen, seien dafür gegenüber den mittelalterlichen Kirchen, die im Zuge der Reformation übernommen wurden, funktionaler ausgerichtet: Direkte Durchgänge zwischen Aufenthalts- und Gebetsraum etwa würden sich gut bewähren.

Einige Herren des Männervereins hätten neulich einen Blick ins neue Begegnungszentrum geworfen: «Es hat ihnen gefallen, dass sie den ehemaligen Charakter wiedererkannt haben», sagt Fritschi, schliesslich sei es eröffnet worden, als sie jung gewesen seien. Seit der Einweihung 1972 haben man keine nennenswerten Investitionen getätigt. Eine solche tätigte die Kirchengemeinde aber nun mit dem Kredit von 2,7 Millionen Franken: «Wir haben uns bei der Umsetzung nach der Decke gestreckt, um eine Erhöhung des Steuerfusses zu umgehen», sagt Ammann. Zehn Prozent Subvention sei von der Landeskirche beigesteuert worden.

 

Zukunft für St. Josef ungewiss

Die Kirchengemeinde Rickenbach-Seuzach umfasst zehn Gemeinden: Seuzach, Hettlingen, Dägerlen, Dinhard und Thalheim orientieren sich an der Kirche St. Martin in Seuzach. Ellikon, Rickenbach, Wiesendangen und Elsau am St. Stefan. Hinzu kommt eine dritte Kirche, der St. Josef im Rickenbacher Ortsteil Sulz. «Wir müssen über die Zukunft der Kirche nachdenken», sagt Ammann, personelle Probleme und tiefe Besucherzahlen liessen keine Alternative zu einem mittelfristigen Umdenken offen. Fritschi pflichtet bei: «Machmal sind zwölf Besucher hier, dreissig in den anderen Kirchen, das macht keinen Sinn», sagt er. Eine Massnahme könnte gar die Umnutzung oder Veräusserung für nicht sakrale Zwecke sein. So weit aber wollen die beiden jetzt nicht denken: «Wer weiss, vielleicht stehen hier sonntags bald 300 gut gekleidete Menschen, wie in Italien», sagt Fritschi und lacht. Vielleicht zum traditionellen Ostertütschen im nächsten Frühling.